Eine kleine textile Warenkunde
Welche textilen Materialien gibt es?
Man unterscheidet im Wesentlichen zwei 2 Warengruppen, die gewirkte Ware und die gewebte Ware. Im Folgenden werden Ihnen beide Warengruppen vorgestellt:

Gewirkte Ware (Gewirk)
Gewirke sind aus Fadensystemen durch Maschenbildung auf der Wirkmaschine industriell hergestellte Stoffe. Sie gehören zu den Maschenwaren. Man unterscheidet zwischen Kulierwirkware* und Kettenwirkware**. Aus gewirkten Textilien werden zum Beispiel Unterwäsche, Gardinenstoffe, Spitzen, Netze, aber auch Samt und Plüsch hergestellt.
Der Vorteil von gewirkten Stoffen liegt in ihrer großen Elastizität, die allerdings auch eine geringe Formstabilität und Festigkeit zur Folge hat. (Die Einlaufwerte von gewirkter Ware liegen zwischen -5% und +2%.) So eignen sich gewirkte Stoffe grundsätzlich für andere Anwendungen als gewebte Stoffe. Für Bekleidung sind Gewirke gerade wegen ihrer Elastizität und Knitterfestigkeit hervorragend geeignet. Der Vorteil der Wirkware liegt darin, dass sie weitgehend Laufmaschenfest ist. Wolle und grobe Garne eignen sich zum Wirken ebenso wie sehr feine Garne. Mit feinstem Garn und hoher Maschendichte kann man hochwertige Bekleidungstextilien erzeugen. Es ist auch möglich, Muster einzustricken oder einzuwirken.
Als Qualitätsmerkmale des Textils sind das Gewicht des Materials, die Qualität des Garnes und die Ausrüstung der Ware entscheidend. Gewirkte Ware ist sehr weich, anschmiegsam und wärmehaltend.
Hierbei unterscheidet man verschieden Qualitäten, die im Folgenden aufgeführt sind:
Single Jersey:
Single Jersey ist eine einflächige Ware, da sie nur aus einer Nadelreihe hergestellt wird. Diese Ware besitzt einen sehr hohen Tragekomfort und wird deshalb am häufigsten für T-Shirts und Pullover verwand.
Pique:
Die Pique Musterung ist eine Unterform des Single Jersey und wird am häufigsten für Polohemden verwand.
Interlock:
Dies bezeichnet eine sehr hochwertige Ware, weil sie an zwei Nadelreihen hergestellt wird und deshalb eine sehr geschlossene Oberfläche entsteht. Interlock ist sehr dehnfähig und bleibt dauerhaft in Form. Beide Warenseiten sehen gleich aus.
Rippware:
Rippware ist ausgeschlossen elastisch und wird deshalb für die Verwendung von Bündchen und Ausschnittkanten benutzt, natürlich auch für T-Shirts.
Wirksamt(= Kettsamt): (eine Wirkware mit kurzen Schlingen) für Heimtextilien
Plüsch: (eine Wirkware mit langen Schlingen) für Heimtextilien, Spielzeug, Pelzimitate Nicky: (ein Plüsch, bei dem die Schlingen aufgeschnitten werden) für Spielwaren, Pullover Trikot: für Unterwäsche Wirkfrottier: für Handtücher Nylon-Gewirke:für Strümpfe und Strumpfhosen
* Kulierwirkware: Kulierwirkware wird als Rund- oder Flachwirkware (also als Schlauch oder Meterware) hergestellt. Es wird nur mit einem Faden gestrickt. Dieser verläuft quer und wird von vielen Nadeln gleichzeitig erfasst und durch die vorhergehende Maschenreihe gezogen, dadurch entsteht die neue Masche. Der Herstellungsprozess ist ähnlich dem des maschinellen Strickens, wobei beim Kulierwirken alle „Stricknadeln“ gleichzeitig bewegt werden. Daher ist Kulierwirken billiger im Herstellungsprozess, allerdings sind keine aufwändigen Musterungen möglich. Kulierwirkware ist in der Optik und den Eigenschaften von Strickware nicht zu unterscheiden.
** Kettenwirkware: Kettenwirkware hingegen wird mit vielen Fäden (entsprechend der Anzahl der Maschen, die die Wirkware am Ende haben soll) und mindestens ebenso vielen Nadeln hergestellt. Beim Kettenwirken laufen die Fäden vertikal und werden von den Nadeln ergriffen und durch die vorhergehende Maschenreihe gezogen. Damit sich eine Fläche ergibt und nicht einzelne Maschenbänder (Luftmaschen, sogenannte Fransen), greifen die Nadeln nicht nur denselben Faden, sondern abwechselnd auch benachbarte Fäden. Es gibt verschiedene Bindungen, bei denen auch zum Beispiel ein Faden übersprungen werden kann. Kettenwirkware unterscheidet sich optisch von Strick-/Kulierwirkware dadurch, dass die Maschen nicht gerade, sondern leicht schräg liegen.
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Gewebte Ware (Gewebe)
Die Weberei ist eine der ältesten Techniken der Herstellung von textilen Flächengebilden, bei dem mindestens zwei Fadensysteme, die Kette (Kettfaden) und der Schuss (Schussfaden) rechtwinklig verkreuzt werden, wobei die vorgespannten Kettfäden den Träger bilden, in den sukzessiv die Schussfäden von einer Webkante zur anderen durch die gesamte Webbreite eingezogen werden. Das Erzeugnis wird in der Fachsprache als Gewebe bezeichnet, ein Begriff, der sowohl Tuche (umgangssprachlich: "Stoff") als auch andere Produkte umfasst wie beispielsweise gewebte Teppiche oder Tapeten. Die Technik des Webens differenziert sich von jener des Flechtens insofern, als die Fäden sich bei letzterer nicht rechtwinklig sondern diagonal kreuzen. Die für die Gewebeherstellung erforderliche Vorrichtung ist der Webstuhl. Der ursprüngliche Handwebstuhl wurde im Laufe der Jahrtausende verbessert, ab dem 18. Jahrhundert zunehmend automatisiert und schließlich im Zuge der Industrierevolution durch die Webmaschine ersetzt. Der überaus größte Teil der weltweiten Produktion wird heute maschinell gefertigt.
Das Ergebnis des Webens ist das Gewebe, der Oberbegriff für manuell oder maschinell gefertigte Erzeugnisse der Weberei wie Tuch, Samt, Velours, Plüsch, Frottee und sonstige textile Flächen-gebilde aus mindestens zwei rechtwinklig oder nahezu rechtwinklig verkreuzten Fadensystemen.
Je nachdem, welche Kettfäden beim Weben angehoben bzw. gesenkt werden, entstehen unter-schiedliche Gewebearten. Das daraus entstehende Warenbild mit mal oben, mal unten liegenden Kett- bzw. Schussfäden nennt man Bindung. Die Anzahl der Kett- und Schussfäden, nachdem sich die Bindung wiederholt, bezeichnet man als Rapport.
Diese Bindungen beeinflussen nicht nur die Eigenschaften eines Gewebes, (wie beispielsweise das Aussehen, die Schiebefestigkeit oder die Drapierbarkeit) es ist auch möglich, durch die Verwendung unterschiedlicher Garne (Dicke, Farben etc.), Gewebe mit farbigen Mustern herzustellen. Werden unterschiedlich farbige Garne verwendet, so spricht man von Farbeffekt- oder Buntgewebe. Zu ihnen gehören zum Beispiel Nadelstreifen, Fischgrat, Pepita, Hahnentrittmuster und Schottenmustergewebe. Hierbei ergibt sich das Farbmuster durch eine Kombination von einfachen Bindungen und Farbfolgen in Kette und Schuss.
Gewebe haben eine Ober- und eine Unterseite, die als rechte und linke Warenseite bezeichnet werden. Wenn Ober- und Unterseite das gleiche Aussehen haben, so spricht man von „gleichbindigem“ oder "gleichseitigem" Gewebe, beispielsweise bei der Leinwandbindung.
Eine wichtige Kenngröße für Gewebe ist die Fadendichte, die in Fäden pro cm für Kette und Schuss getrennt angegeben oder ausgezählt wird. Bei vielen Geweben ist die Schussfadendichte geringer als die Kettfadendichte, um die Produktionszeit möglichst gering zu halten. Je nach Abstand und Eigenschaften (hochgedreht, bauschig etc.) der Fäden können ganz lockere Gewebe wie Verbandstoffe, oder dichte Gewebe, wie Brokatstoff, entstehen. In der Längsrichtung elastisch werden Gewebe durch als Kettfäden eingesetzte Gummifäden (mehr bei Bändern verwendet), Kräusel- oder Bauschgarne; sie werden gespannt verarbeitet und ziehen sich im Ruhezustand zusammen. Bauschgarne bestehen aus texturierten - also gekräuselten - synthetischen Fasern. Die Kräuselung verändert die Eigenschaften der synthetischen Fasern. Die daraus gesponnen Garne sind sehr elastisch, voluminös und haben eine gute Wärmeisolierung.
Arten von Geweben
einlagige Gewebe: Die meisten Gewebe sind einlagige Gewebe mit jeweils nur einem Kett- und einem Schussfadensystem. Werden mehrere Kett- oder Schussfadensysteme verwendet, spricht man von verstärkten Geweben.
verstärkte Gewebe: > Schussdouble (zwei Schussfadensysteme, ein Kettfadensystem),
> Kettdouble (ein Schussfadensystem, zwei Kettfadensysteme),
> Doppelgewebe mit oder ohne Warenwechsel (zwei Kett- und zwei Schussfadensysteme).
> Wenn anstelle der üblichen Weblitzen sogenannte Dreherlitzen eingesetzt werden, bei denen die Kettfäden sich z. B. paarweise auch seitlich umschlingen, spricht man von Drehergeweben. Diese Gewebeart kann im Unterschied zu den vorher genannten offene, netzähnliche Flächen bilden. Drehergewebe werden u.a. für Gardinen oder für die Verstärkung von Teppichrücken eingesetzt.
> Kettsamtgewebe sind Gewebe, die meistens durch zwei übereinanderliegende Grundgewebe und ein zusätzliches Polfadengewebe gebildet werden. Daneben kommen aber auch Rutenwebmaschinen und Lancettenwebmaschinen zum Einsatz, die aus einem zusätzlichen Polkettfadensystem sogenannte Polschlaufen bilden, die senkrecht zur Grundfläche des Gewebes stehen.
> Schusssamtgewebe werden durch ein zusätzliches Polschusssystem gebildet. Cordgewebe sind typische Vertreter dieser Gewebeart. Zunächst wird ein Gewebe mit mehr oder weniger langen Schussflottierungen gebildet, die anschließend aufgeschnitten und aufgebürstet werden, so dass sie wiederum senkrecht zur Grundfläche stehen.
> Frottiergewebe sind eine weitere Gewebeart. Dabei wird wiederum ein zusätzliche Kettfadensystem zu Polschlaufen aufgeworfen. Dies geschieht aber durch die Kombination von Bindungstechnik (Ripsbindungen) mit einer speziellen Schussanschlagstechnik, beispielsweise einer Weblade mit sogenannter Vorschlagfunktion. Bindungstechnisch wird zunächst eine Gruppe von beispielsweise drei Schussfäden mit einem Abstand zum Geweberand gebildet, die den Polkettfaden fest einbinden. Beim Anschlag dieser Gruppe an den Geweberand nehmen diese drei Schussfäden den Polkettfaden mit und werfen ihn senkrecht zur Polschlaufe auf.
Gewebe können ganz schmale Bänder sein, wie Gurte oder Gummibänder. Sie werden auf Bandwebmaschinen hergestellt, die sich ganz wesentlich von Breitwebmaschinen unterscheiden. Breitgewebe reichen von schmalen Stoffen, die in der Bekleidungsindustrie verwendet werden bis zu breiten Segelstoffen, die auch über die gesamte Breite bis 20 Meter an einem Stück gewebt werden.
Doch nicht jedes Gewebe ist gleich als solches erkennbar. Oft werden Gewebe als Einlage, Unterlage oder Verstärkung verwendet. Dabei werden beispielsweise auch Glasfasern zu Matten verwebt und in Kunststoffen als last übertragende Schicht eingebaut, sogenannte GFK-Werkstoffe (glasfaserverstärkter Kunststoff), oder sie dienen als Teppichrücken, der den Flor trägt. In der Faserverbundtechnologie werden vermehrt Gelege verwendet; dabei sind die tragenden Fasern nicht verwebt, sondern mit einem Hilfsfaden zueinander fixiert (vernäht).
Wichtige Kenngrößen eines textilen Gewebes sind:
> Verwendetes Fasermaterial (Angabe zum Beispiel als: 50 % Baumwolle 50 % Polyester) > Flächengewicht in g / m2 > Fadendichte (Anzahl Kett- und Schussfäden pro Längeneinheit) > Bindungsart
Eigenschaften der Gewebe Gewebe sind anisotrop. Das heißt, die mechanischen Eigenschaften eines Gewebes hängen von der Richtung, in der eine Kraft einwirkt, ab. Bei Zugbelastung in Kett- oder in Schussrichtung dehnen sich Gewebe z.B. nur wenig. Wirkt die Zugbelastung dagegen diagonal, z.B. unter 45°, so sind Gewebe sehr dehnbar, auch wenn sie aus nicht dehnbaren Fäden gewebt wurden.
Weiterhin zeigen Gewebe in Zugversuchen häufig zwei verschiedene Steifigkeiten: Zu Beginn wird die Wellenform der sich verkreuzenden Fäden glatt gezogen (geringere Steifigkeit). Wenn die Fäden nahezu gestreckt vorliegen, wird das Gewebe steifer. Man spricht dann vom Substanzmodul.
Gewebe sind bei hohen Fadendichten besonders widerstands- und strapazierfähig. Gesteigert wird dieser Effekt noch, wenn Zwirne anstelle von einfachen Garnen eingesetzt werden.
Webware wird an Webmaschinen hergestellt und ist nicht so dehnbar wie gewirkte Ware. Die einzelnen Waren unterscheiden sich durch die Art der Bindung, :
Man unterscheidet zwischen 3 Bindungen:
Leinwandbindung:
Je nach Faser und Garnart, Fadendichte und Ausrüstung ergibt die Leinwandbindung Gewebe mit hoher Scheuer- und Schiebefestigkeit.
Körperbindung:
Körperbindige Gewebe können je nach Bindung und Fadendichte weich und locker sein, aber auch dicht , glatt und strapazierfähig.
Atlasbindung:
Diese Gewebe sind glatt, gleichmäßig und glänzend. Durch die geringe Anzahl an Bindungspunkten hat das Gewebe einen weichen Fall und allgemeine Geschmeidigkeit.
der Garnqualität und der Garnstärke.
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